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Corona-Krise: Fragen an ein Start-up im Einsatz gegen COVID-19

von: Ursula Thomas-Stein, kategorien: News, datum: 26.03.2020

„Das Corona-Virus kommt zu früh, wir sind noch nicht so weit“, sagte mir Dr. Günter Roth anlässlich des Unternehmensportraits für die Badische Zeitung im Februar. Da war noch gar nicht klar, dass das Virus schon kurze Zeit später weltweit für einen Shutdown sorgen würde.

Hintergrund des Portraits: Der Biomolekül-Kopierer des Start-ups Biocopy kann nicht nur Moleküle vervielfältigen, sondern soll in Zukunft fähig sein, Impfstoffvorläufer binnen 48 Stunden zu identifizieren. Das Unternehmen ist gerade von Freiburg nach Emmendingen umgezogen und nimmt dort ein großes Labor in Betrieb.

Jetzt habe ich bei Günter Roth, dem Haupterfinder der patentierten Kopiertechnik nachgefragt, wie sich das Start-up gerade gegen Covid-19 einsetzt. Und wie schnell wir mit einem Impfstoff rechnen können – von ihm in den letzten Jahren ausgebildete Doktoranden haben das Nachweisgerät von Bosch und das Freiburger Covid-19-Schnelltestgerät nun vorgestellt. Günter Roth hat mir schriftlich geantwortet.

 

Günter Roth, welche  Entwicklungen gibt es bei Biocopy am neuen Standort?


Günter Roth: Wir sind vollauf beschäftigt, bei Corona mitzuhelfen – für Impfstoffe, für Schnelltests und auch bei der Plasma-Transfusion.


Woran arbeiten Sie mit Ihrem Team genau?


Wir legen gerade drei Anwendungen für Covid-19 auf. Erstens: zur Impfstoff-Charakterisierung – diese testet, ob der Impfstoff das Immunsystem überhaupt anregt, schützende Antikörper zu bilden. Zweitens zur Marker-Validierung, das heißt, wenn man einen Teststreifen macht, um die Immunität zu messen, zeigt er wie gut die Trefferquote ist. Drittens zur Plasma-Vermessung – wenn nun die Plasma-Transfusion kommt, sprich Blutplasma von gesundeten Menschen in Erkrankte, kann man mit unserer Methode sicherstellen, dass alle Antikörper gegen die „wichtigen“ Covid-19-Bestandteile drin sind.

Was schätzen Sie, wie schnell können wir mit einem Impfstoff rechnen?


Das ist eine schwere Frage. Grundsätzlich hat jede Firma „einen Tipp“ hergestellt oder plant diesen gerade. Wenn die richtigen Antikörper erzeugt werden und das Produkt verträglich ist, dann könnte Ende des Jahres etwas zugelassen werden. Aber selbst dann haben die meisten Firmen nur begrenzte Kapazität, so dass oft unter 50 Millionen Impfdosen pro Jahr hergestellt werden können. Hier müssen alle zusammenlegen, damit wir das bis Ende 2022 schaffen. Ja, in zwei Jahren, so meine Einschätzung.

Was wünschen Sie sich persönlich für die Zeit nach der Krise?


Wäre schön, wenn nachhaltig die sozialen Berufe aufgewertet werden und wenn Helfen sowie Wissen schaffen weit über "Kohle machen" gestellt würden.


Günter Roth, vielen Dank für die aktuellen Infos!



Zum Hintergrund lesen Sie auch meinen Artikel – einfach unten anklicken oder gehen Sie auf den Link.
https://www.badische-zeitung.de/molekuel-kopierer-eines-freiburger-start-ups-koennte-die-medizintechnik-revolutionieren--182875360.html

 

Das Team von Biocopy, Günter Roth, 3. von links; Unternehmensportrait