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Interview: Wohin marschiert die neue Robotergeneration, Professor Burgard?

von: Ursula Thomas-Stein, kategorien: Interviews, datum: 12.12.2017

Hochentwickelte Produktionsanlagen, vorausschauende Autos und selbsttätige Humanoide – wo führt uns das hin?

 

Wolfram Burgard: Wir gehen auf eine Zeit zu, in der zunehmend mehr Roboter eingesetzt werden, um unsere Arbeit angenehmer zu gestalten: indem uns monotone Tätigkeiten abgenommen werden, indem Fahrzeuge selbst fahren oder uns fortgeschrittene Assistenzfunktionen anbieten. Alles, um unser Leben sicherer zu machen. Oder – um unser Leben leichter zu machen, indem sie uns auch zu Hause helfen.

Sie sind schon selbst in einem Tesla gefahren – wie hat sich das angefühlt? In einem Wort.

Burgard: Interessant.

Beschreiben Sie die Fahrt kurz …

Burgard: Genau genommen, bin ich schon zweimal zwei Stunden gefahren. Einmal ging es auf einem Teilstück von San Francisco nach Lake Tahoe. Das andere Mal bin ich unter anderem auch die Strecke von Berkeley nach Palo Alto gefahren. Für meinen Begriff fuhr das Fahrzeug in den Kurven einfach zu schnell – ich hätte da die Geschwindigkeit reduziert. Darüber hinaus fuhr es auch zu nah an seitlichen Hindernissen vorbei, beispielsweise an LKW auf der Nebenspur oder Betonabgrenzungen auf der Fahrbahn.

Und was war gut?

Burgard: Es war schon beeindruckend, wie gut das Fahrzeug insgesamt fährt. Und die Vorhersage der Straßenführung ist wirklich sehr gut gewesen.

Ihre Arbeitsgruppe arbeitet auch an einem selbstfahrenden Auto, dem AIS-Auto – warum eigentlich? In Kalifornien düsen schon fahrerlose Google-Autos und Teslas im Straßenverkehr herum.

Burgard: Wir arbeiten an diesen Fragestellungen, weil es in diesem Kontext natürlich eine ganze Menge wissenschaftlicher Fragestellungen gibt. Das autonome Fahren ist noch nicht gelöst und solange das der Fall ist, gibt es genügend zu tun für alle.


Welches Potenzial hat KI beim Sprachverstehen und der Sprachproduktion?


Burgard: Da wird sich noch sehr viel tun. Systeme werden sich noch verbessern und darüber hinaus auch in der Lage sein, längere Dialoge zu führen oder sich Informationen während Gesprächen zu merken.

Welche Rolle spielt Deep Learning dabei – wie würden Sie das erklären?

Burgard: Deep Learning ist eine Technik, bei der man versucht, die Funktionsweise unseres Gehirns zu simulieren. In den vergangenen Jahren ist es gelungen, sehr große künstliche neuronale Netze einzusetzen. Dies hat zu einer deutlichen Verbesserung einer Vielzahl von Funktionen geführt, beispielsweise bei Funktionen wie Bild- und Videoanalyse oder Sprachverstehen und generell bei Prozessen, die Daten analysieren.

In einem Videoclip der Firma Boston Dynamics, den Sie beim Vortrag gezeigt haben, sieht man, wie ein Mitarbeiter den Humanoid Atlas ärgert und sogar stößt – bis er hinfällt. Wer ist hier böse?

Burgard: Ich finde, auch Robotern gegenüber sollte man sich ordentlich benehmen.

 

Das Interview habe ich mit Robotik-Professor Wolfram Burgard anlässlich seines Vortrags „Die neue Robotergeneration – intelligent, clever, autonom entscheidend“ geführt; Veranstaltungsreihe der IHK Südlicher Oberrhein: Industrie 4.0 – Mittel, Wege und Nutzen für die regionale Wirtschaft, Dezember 2017, Freiburg.

Danke für das Interview, Wolfram Burgard!

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