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Fühlen Sie sich als Eisenbieger, Stipe Matic?

von: Ursula Thomas-Stein, kategorie: Auf ein Wort!, datum: 16.01.2018

Ihr Vater hat als Eisenbieger gearbeitet, lange bevor er 1987 den Betrieb gründete. Fühlen Sie sich auch als stahlharter Eisenbieger?

Stipe Matic: Ich weiß, was es bedeutet, Eisenbieger zu sein, da ich in den Schul- und Semesterferien das Handwerk von der Pike auf gelernt habe. Ich habe mit Begeisterung gebogen, geschnitten, zusammengesetzt, positioniert, in Form gebracht, wenn’s falsch gebogen war, wieder richtig gebogen, abgeladen, beladen – das komplette Programm. Ich fühle mich nicht als Eisenbieger, aber es ist ein wichtiger Teil von mir.

Wichtig, um Ihr Geschäft zu verstehen?

Matic: Ja, genau. Und ich verfüge selbst über genügend Know-how und kann meine Mitarbeiter jederzeit anweisen, wie zu produzieren ist. Ich fühle mich mehr wie ein Unternehmer, der nicht nur im Unternehmen arbeitet, sondern auch am Unternehmen. Am ehesten wäre ich also ein stahlharter Produktionsmanager (lacht).

Vor sieben Jahren kamen Sie frisch von der Uni – mit welchem Plan?

Matic: Ich wollte vieles. Teil der Firma sein, die Firma mit meiner Familie weiterentwickeln, für alle Anspruchsgruppen einen Mehrwert erzeugen – also für Kunden, Mitarbeiter und Lieferanten. Und am ewigen Fortschritt der Firma und Familie teilhaben.

Was ist Ihnen gelungen?

Matic: Auch vieles. Unseren Online-Auftritt habe ich gleich angepackt, denn wir hatten bis dahin noch gar keine Präsenz im Internet. Dazu kam die Sortimentserweiterung mit Schraubanschlüssen. Und ganz allgemein – die Einführung einer definierten Unternehmenskultur und betriebswirtschaftlicher Strukturen und Entscheidungsmuster. Alles, um das Unternehmen professioneller und strukturierter zu leiten.

Konkret?

Matic: Ich habe unsere Abläufe analysiert und überlegt, wie wir sie verbessern können. Fast dreißig Jahre lang ist bei uns jede Bestellung per Telefon oder Fax gelaufen – heute wird dafür auch die Kontaktfunktion auf unserer Website genutzt. Und per SMS werden die Kunden informiert, wann die Lieferung eintrifft. Diese Information ist sehr wichtig, denn auf der Baustelle zählt jede Minute. Auch die Unordnung, die früher bei mehrteiligen Aufträgen entstehen konnte, haben wir in den Griff bekommen. Wir haben ein farbiges Etiketten-Leitsystem entwickelt, das solche Aufträge ordnet. Dann haben wir auch den Zwei-Schicht-Betrieb eingeführt, um die Maschinenstunden-Zeit im Betrieb zu erhöhen.

Und wie sieht Ihre Unternehmenskultur aus?

Matic: Sie besteht eigentlich nur aus den drei Wörtern: Können, Wissen und Wollen. Wir sehen darin unsere Erfolgsfaktoren, die uns weiterbringen. Diese Kultur bietet uns Orientierung und beantwortet unserem Team jeden Tag die Fragen: Wie verhalte ich mich am Arbeitsplatz? Oder in gewissen Situationen? Wie kommuniziere ich mit meinen Kollegen und Vorgesetzten? Ich finde, es kommt eigentlich gar nicht darauf an, mit welchem Material man arbeitet – sei es Stahl, Glas, Beton oder Holz – sondern wie man mit den Leuten kommuniziert, mit denen man tagtäglich zu tun hat. Da wollte ich ein neues Denkmuster und Kommunikationsverhalten entwickeln.

Dieses Jahr wird Ihr Neubau mit Büros fertiggestellt …

Matic: Das erwarten wir mit großer Vorfreude. Da haben wir auch ruhige Besprechungsräume für unsere 10-köpfige Verwaltung und für die 50 Leute in der Produktion gibt es großzügige Umkleiden mit Spinden, Duschen und eine Küche dazu. Damit schaffen wir ganz professionelle Organisations- und Arbeitsstrukturen, die uns allen das Leben und Arbeiten hier erleichtern und den Betriebsablauf verbessern. Schließlich verarbeiten wir täglich bis zu 300 Tonnen Betonstahl.

Welche Veränderungen bringt der digitale Wandel noch?

Matic: Ich denke, Mensch und Maschine können noch besser miteinander arbeiten und besser aufeinander abgestimmt werden. Das ganze Produktionssystem wird sich verändern. Da die Maschinen immer leistungsfähiger werden, werden wir in Zukunft immer weniger Mitarbeiter benötigen. Ich sehe, dass wir eines Tages in der Produktion keine Produktionsmitarbeiter mehr haben, sondern Arbeiter des Wissens, die in unserem hochmodernen Betrieb wie Ingenieure arbeiten – mit automatischer, besserer Vorbereitung und weniger Verletzungsrisiko.

Und Ihre Vision, an die Spitze aller Stahlhändler in Deutschland kommen?

Matic: Wir kommen der Spitze immer näher. Aber vielleicht ist es auch gut, seine Vision gar nie zu erreichen. Denn das heißt, dass wir uns immer weiterentwickeln.

Danke für das Gespräch, Stipe Matic!

 

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Kann Stahl biegen und neue Denkmuster formen - Stipe Matic, Produktionsleiter bei der BHB Betonstahlhandel und Biegebetrieb GmbH

Kann Stahl biegen und neue Denkmuster formen - Stipe Matic, Produktionsleiter bei der BHB Betonstahlhandel und Biegebetrieb GmbH